PNP 30.09.16: Erst die Wohnung, dann der Job

Veröffentlicht am 05.10.2016 in Allgemein

Zwei Kisten voll mit noch offenen Wohnungsgesuchen hat Annette Heidrich in ihrem Büro. Auch wenn der Markt zunehmend abgegrast ist, will sie ohne Abstriche weitermachen. Foto: Kleiner

74 Unterkünfte hat das BRK seit Jahresanfang an Asylbewerber vermittelt – Jetzt wollen sie sich an die Arbeitssuche wagen

Altötting. Jung, männlich, alleinstehend und aus Afrika? "Da wird’s schwierig", weiß Annette Heidrich. Da gerät dann auch die rheinische Frohnatur an ihre Grenzen. Ansonsten aber können die 49-jährige Burgkirchnerin und ihre "Auftraggeber" eine erfolgreiche Zwischenbilanz ziehen. So erfolgreich, dass diese Woche auch hoher Besuch aus München nur staunen konnte.

Seit Jahresbeginn ist Annette Heidrich im Auftrag des BRK damit beschäftigt, für anerkannte Flüchtlinge eine Wohnung zu suchen. Haben die Neuankömmlinge einen offiziellen Status, müssen sie theoretisch raus aus den Unterkünften, die ihnen zuvor der Staat gestellt hat. Doch wohin? Eine eigene Wohnung finden? Ohne Deutschkenntnisse? Als absolute Fremde im Land? Ein Unterfangen nahe an der Unmöglichkeit.

Schon im vergangenen Jahr hatten die Bürgermeister deswegen Alarm geschlagen. Wären doch sie es, die im Fall der Obdachlosigkeit für die Flüchtlinge sorgen müssten. Ihrem Vorschlag aber, auf Landkreisebene eine Stelle einzurichten, erteilte Landrat Erwin Schneider damals eine klare Abfuhr – weil er den Landkreis dafür nicht zuständig sah und weil er deutsche Wohnungssuchende nicht benachteiligen wollte. Diese müssten schließlich auch ohne Hilfe zurecht kommen, argumentierte Schneider. Letztlich einigte man sich darauf, dass der Kreis Geld zur Verfügung stellt und sich das BRK des Problems annimmt.

Seitdem ist Annette Heidrich am Werk. Sie durchstöbert nicht nur Inserate. Sie hält auch draußen die Augen offen. Entdeckt oder hört sie von einem Leerstand, spricht sie die Besitzer an. Und das oft mit Erfolg: "Etwa ein Drittel der Wohnungen bekomme ich", schätzt sie. Angesichts vieler Vorbehalte gegenüber Flüchtlingen und Hartz-IV-Empfängern eine durchaus stattliche Zahl. "Ein weiteres Drittel sagt, dass sie nicht an Leute ohne eigenes Einkommen vermieten, das letzte Drittel will generell nicht an Ausländer vermieten", erzählt Heidrich.

50 vermittelte Wohnungen bis Jahresende hatte BRK-Direktor Josef Jung Annette Heidrich im Januar als Wunschvorstellung mit auf den Weg gegeben. Jetzt, drei Monate vor Jahresende, liegt die Burgkirchnerin bereits bei 74. "57 Wohnungen, sechs Häuser, elf Zimmer", rechnet sie vor. Mehr als 200 Flüchtlingen hat sie auf diese Weise zu eigenen vier Wänden verholfen. Und damit auch die Situation in den vom Landkreis angemieteten Unterkünften entspannt – schließlich gelten anerkannte Asylbewerber dort bislang als "Fehlbeleger" und müssten eigentlich raus aus den Erstunterkünften. Doch einfach auf die Straße setzen will sie der Landkreis auch nicht.

Dass Heidrich erfolgreich vermitteln kann, hat sie auch einer umtriebigen Hintergrundarbeit zu verdanken: dem Landkreis, der das Projekt finanziert, und der breiten Vernetzung des Roten Kreuzes. Sei es, dass ihr Büro nur einen Katzensprung von denen der anderen Migrationsverantwortlichen beim BRK entfernt ist, oder auch, dass sie über die Helferkreise bestens über die Lage vor Ort informiert wird.

Dazu kommt, dass Annette Heidrich nach dem Vermitteln einer Wohnung nicht einfach einen Schlussstrich zieht. Schon zuvor wählt sie aus, welcher Flüchtling in welche Wohnung passen könnte. "Eine streng muslimisch gekleidete Frau in einem konservativ christlichen Umfeld – das könnte problematisch werden", erklärt sie.

Auch nach erfolgreicher Vermittlung hält sie Kontakt, sowohl zu den Asylbewerbern als auch zu den Vermietern. Sie kümmert sich darum, dass die Neubewohner für den Fall der Fälle eine Haftpflichtversicherung haben, dass sie übers Mülltrennen aufgeklärt werden und dass sie ihre Stromrechnung pünktlich zahlen. Das alles helfe, Vorbehalte abzubauen. Und es führe dazu, dass es bislang noch kein einziges Mal größere Probleme gegeben habe, sagt sie.

"Beispielhaft" sei diese Arbeit, lobte diese Woche denn auch BRK-Vizepräsidentin Brigitte Meyer, die sich bei Heidrich, BRK-Kreischef Josef Jung, Einrichtungsleiter Bastian Höcketstaller und Abteilungsleiter Fritz Stinglwagner vom Landratsamt über die erfolgreiche Kooperation informieren ließ. Einmal mehr zeige der Landkreis, dass er trotz seiner geringen Größe "unheimlich leuchtet", lobte Meyer in Altötting.

Dabei ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht: Das BRK hat bereits den nächsten Schritt ins Auge gefasst: die Jobsuche. Auch dafür soll eine Fachkraft eingestellt werden – sofern die "Aktion Mensch" die Stelle fördert. Schon zum Jahreswechsel könnte es losgehen.

Und auch bei der Wohnungsvermittlung ist kein Ende in Sicht. Auch wenn sie feststellt habe, dass der Markt "mehr und mehr abgegrast ist", will Annette Heidrich weitermachen. Schließlich hat sich aktuell noch mehr als 230 unvermittelte Asylbewerber auf ihrer Liste.
- ckl

 
 

Homepage SPD-Unterbezirk Mühldorf

Mitglied werden!

Mitglied werden!

Kalenderblock-Block-Heute

Alle Termine öffnen.

21.11.2019, 19:30 Uhr OV Haag: Nominierungsversammlung
Einladung zur Nominierungsversammlung am 21.11.2019 Die Haager SPD stellt ihre Kandidatinnen und Kand …

23.11.2019, 15:00 Uhr Waldkraiburg: Nomminierungskonferenz
Interressierte lernen die Kandidat(inn)en der Waldkraiburger SPD kennen. SPD Ortsvereinsmitglieder aus Wald …

27.11.2019, 19:00 Uhr - 21:00 Uhr Kreistagskandidaten stellen sich vor
Am 27.11.2019 stellen sich die Kandidatinnen und Kandidaten zur Kreistagswahl vor. Mit dabei : Angeli …

06.12.2019 - 08.12.2019 Ordentlicher Bundesparteitag

31.01.2020, 19:00 Uhr - 31.01.2020 Veranstaltung der Kreistagsfraktion
Wir stellen uns Ihren Fragen zur Kreistagswahl 2020. Informieren Sie sich und diskutieren Sie mit uns

Alle Termine

Geschäftsstelle

UB Mühldorf SPD-Geschäftsstelle Mühlenstraße 12 84453 Mühldorf
Tel. 08631 - 71 97 Fax 08631 - 1 48 34
Eleonore.Ismail(at)spd.de

WebSozis

Soziserver - Webhosting von Sozis für Sozis WebSozis

WebsoziInfo-News

18.11.2019 15:59 Wir machen Betriebsrenten attraktiver – und das ist längst überfällig
Betriebsrentnerinnen und Betriesbrentner sollen entlastet werden bei den Beiträgen. Worum genau es geht, erläutern die stellvertretenden Fraktionschefinnnen Bas und Mast. Bärbel Bas: „Es ist gut, dass der Gesetzentwurf jetzt schnell vorgelegt wird und wir die Vereinbarung im beschleunigten Verfahren umsetzen können. So kann die Entlastung der Betriebsrentnerinnen und Betriebsrentner schon zum 1. Januar 2020 in Kraft

18.11.2019 15:58 Erstmals 50 Millionen Euro für die Förderung privater Ladeinfrastrukturen
Die Bundesregierung hat ihren Masterplan Ladeinfrastruktur vorlegt, der die Elektromobilität noch stärker fördert. Das begrüßt SPD-Fraktionsvize Bartol – er bemängelt aber, dass zwei wichtige Forderungen der SPD-Fraktion nicht enthalten sind. „Mit dem vorgelegten „Masterplan Ladeinfrastruktur“ fördert die Bundesregierung die Elektromobilität und den Ausbau der notwendigen Ladeinfrastruktur künftig noch stärker. Bis 2022 sollen zusätzlich 50.000 öffentliche Ladestationen

10.11.2019 20:26 Die Grundrente kommt!
Frauen und Männer, die nur wenig Rente haben trotz eines langen Arbeitslebens, werden künftig spürbar mehr in der Tasche haben. Die Grundrente kommt! Auf die Einzelheiten haben sich heute die Spitzen der Großen Koalition geeinigt. Die kommissarische SPD-Vorsitzende Malu Dreyer lobt den Kompromiss als „sozialpolitischen Meilenstein“. weiterlesen auf https://www.spd.de/aktuelles/grundrente/

Ein Service von websozis.info